Vitae
Dieter Kühn
 

Im Dialog zwischen Malerei und Zeichnung entwickle ich meine Arbeiten aus zunächst noch willkürlichen Pinselspuren, Farbflecken und zeichnerischen Elementen, die in immer neuen Assoziationsfeldern Form und Fassung finden.
So entstehen spontan, aber auch in langen Prozessen der Überarbeitung Bilder zwischen lyrischer Abstraktion und Gegenständlichkeit.
Titel werden meist während der Arbeit oder in der Nachbetrachtung gefunden, sie haben eher poetischen Eigenwert, zur festlegenden Erklärung taugen sie nicht. Aktives Sehen ist angesagt. Zuviel Eindeutigkeit schadet der Poesie.

Dieter Kühn, 2009


Dieter Kühn, kleiner Exkurs über die Farbe Gelb.
(Werner Laubscher über D. Kühn, Zehnthaus Jockgrim 1993)

Gelb ist (für mein Empfinden jedenfalls) eine äußerst kritische, anfällige Farbe, wer nicht damit umgehen kann, macht mit Gelb sein Bild kaputt. Ich sage etwas nebenher: in meinen Bildern kommt Gelb kaum einmal vor, ich meide diese Farbe. Gelb kann banal, plakativ-simpel, kann anmaßend grell sein, bis ins Unerträgliche falsch hingesetzt.

Als ich Kühns Bilder zum ersten Male sah, war ich wie benommen (ist das das richtige Wort? verblüfft, fasziniert) von seinem Gelb. Wie machst Du das? Die Antwort war so einfach, wie sie mir unanwendbar schien: Er gebraucht Gelb wie jede andere Farbe auch.

Da steht sie, die Farbe Gelb, auf seinem Arbeitstisch im Atelier in der Heinrich Heine Straße in Wörth, als Ölfarbe, Kreide, Acryl, Tempera, in allen Nuancierungen. Und so ist sie da, auf seinen Bildern, mal ins Blaß Rötlich Weiße übergehend, mal sich vermischend mit einem zartblauen Grün, mal strukturiert durch feine Carneat-Pastell Striche ich müßte zig andere Farben aufzählen, die einen Künstler befähigen, die Farbe Gelb richtig zu handhaben. Gelb pur auch, Gelb als zarteste dünne Öllavur auf Rosa, als Aquarelltupfer, oder umgekehrt: auf dutzenderlei Weise vermischtes, übermaltes Gelb.

Kühns Metier ist die Farbe.
Sie verleiht seinen Bildern den Eindruck einer fast rauschhaften Sinnenfreude, zusammengehalten nur durch das graphische Element.
Nach dem ersten oder zweiten Auftrag, oder auch nach einer Initialaktion, die meist einer spontanen Geste folgt, stellt sich ein, was ich hier einmal als diskursives Malen bezeichnen möchte: Zwiesprache mit dem Hervorgebrachten, das ja als solches Teil des Künstlers selbst auch ist. Das Bild malt sich selbst weiter. Work in progress. (…)

...Wir sehen diese Verwerfungen den Bildern an, sehen Kratzspuren, Wischspuren, Übermalungen; ganze Partien werden flächig übermalt
erhalten neue Binnenstrukturierungen. Work in progress,
Nicht selten kommt es vor, daß der Künstler da seine Arbeiten vor weiteren Zugriffen und Eingriffen schützen muß, und er sie rahmt,um sie nach Wochen erst wieder hervorzuholen. (...)


Irgendwann einmal während , dieses Schaffensprozesses taucht auf der Fläche ein Gegenstand auf. Die Spur einer Andeutung eines Abbildes. Abbild eines Gegenstandes, der sich selbst geschaffen hat. Nur der Künstler hat ihn aufleuchten gesehen. Er nimmt ihn an, gibt ihm Konturen, ordnet um, schafft Zentren und Gegenzentren. (...)

Durchaus läßt sich feststellen, daß Kühn dabei über einen eigenen Chiffren Satz verfügt, Lettern, die er gerne aus dem Setzkasten des Ureigenen herausnimmt: Berggrat, die Gipfelschar, die er, der Bergsteiger, aus eigenem Erleben kennt.
Die Fischform, die Kugelform, das Augenoval. Oder das meteoritenhafte Erscheinen einer in ihrer Bizarrheit wildfremd schönen Anhäufung von Materie, aus den Tiefen des Kosmos (...)
Copy-Right: Werner Laubscher