Vitae
Matthias Strugalla
 

Aus: "Ein Dialog. Prof. Bettina van Haaren im Gespräch mit Matthias Strugalla"

Bettina van Haaren:
Wie würdest du dein Verhältnis zum Gegenständlichen und zum Abstrakten beschreiben?

Matthias Strugalla:
Jede Linie, jeder Tuschefleck ist abstrakt, ist Konkretion (Materie) und Abstraktion (Idee) zugleich, selbst wenn ich eine präzise Naturform zur Abbildung bringen will. Insofern gibt es da für mich keinen wirklichen Widerspruch. Abstrakte Ideen finden ihre sinnlich-figürlichen Bildformen, ob es sich um die Darstellung menschlicher Figuren oder um geometrische Konstellationen handelt. Ich bevorzuge die emotional komplexeren und differenzierteren Figuren.

Bettina van Haaren:
Du hast dich für die Zeichnung als Medium entschieden, nicht etwa für Malerei, Film oder Plastik. Warum?

Matthias Strugalla:
In Wirklichkeit wäre ich auch gerne ein guter Maler, Bildhauer, Installationskünstler usw. Während der Schulzeit habe ich oft einen Skizzenblock mit mir geführt, um schnell und spontan zeichnerische Notizen einbringen zu können wie Porträts von Mitschülern und Lehrern. Daneben architektonische und topografische Ansichten oder auch imaginierte bzw. formal-experimentelle Entwürfe. Die Gewohnheit des Skizzenbuches hat auch während der Jahre meiner pädagogischen Tätigkeit die innere Notwendigkeit zeichnerischen Selbstausdrucks wachgehalten. Mich reizt die Stille, das Unspektakuläre, das Spontane, das Direkte der Zeichnung.

Bettina van Haaren:
Lass uns über den Entstehungsprozess deiner Zeichnungen sprechen. Wie fängst du an?

Matthias Strugalla:
Oftmals bringen mich Studien von Alltagsgegenständen, Pflanzen, Gesichtern, Körpern zurück in den zeichnerischen Prozess. So entstehen ganze Serien, die durch Überarbeitung sich von der Vorläufigkeit lösen und zu autonomen Trägern von Ideen und Fantasien werden. Impulse können auch ausgehen vom gesprochenen Wort (Literatur, Hörspiele). Immer aber, fast immer ist es die zeichnerische Spur, die Linie, die vorgedacht, energisch ausführend oder tastend das reine Papier beschreibt, bevor verdünnte Tuschen und Acrylfarbe zum Einsatz kommen. Was die Linie betrifft: da bin ich wohl vom Jahrzehnte langen Cellospiel geprägt worden (z.B. J. S. Bachs Suiten für Violoncello Solo).